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Was ist eigentlich eine technische Illustration?

Ist das nicht eine Grafik wie alle anderen auch? Wo liegt denn überhaupt der Unterschied zu einer technischen Zeichnung?

Diese und viele andere Fragen treten auf, wenn man sich erstmals mit der Technischen Illustration auseinandersetzt. Im Gespräch mit Fachleuten, die eng mit der Materie verbunden sind, ist es von entscheidender Bedeutung, Fachbegriffe zu kennen und richtig einsetzen zu können. Wesentlich ist dabei, daß Fachleute sensibel auf die falsche Verwendung von Begriffen reagieren.

Mit anderen Worten: der Einsatz von Fachbegriffen profiliert den Gesprächspartner, sei es zum Positiven oder zum Negativen. Die korrekte Verwendung zeigt vorhandenes Engagement und Wissen um die Branche, die falsche Verwendung führt zur Abqualifizierung als Gesprächspartner.

Im Folgenden sollen die wesentlichen Fachbegriffe in der Technischen Illustration anhand von Beispielen erläutert werden.

Definition

Als technische Illustrationen bezeichnet man im Allgemeinen die Abbildungen, die in technischen Dokumentationen verwendet werden. Eine technische Illustration kann aber genauso gut auf einem Display eines Messestandes wie in einem Lexikon erscheinen.

Um den Begriff genauer zu fassen, bietet sich die folgende Definition an:

Eine Technische Illustration stellt ein technisches Gerät dar oder auch eine Situation, in der sich dieses Gerät gerade befindet. Dabei werden nur die Details des Gerätes gezeigt, die für die Aussagekraft der Illustration wesentlich sind, unwichtige Details werden weggelassen. Durch Einsatz von Perspektive, grafischen Stilmitteln und Abweichungen von der technischen Exaktheit (Unmaßstäblichkeit, Zeichnen nach Augenmaß) werden die wesentlichen Details der Illustration betont.

Diese Definition bedarf natürlich einer Erläuterung. Je nach Verwendung der Illustration, z.B. in einem Ersatzteilkatalog oder in einer Reparaturanleitung, muß sie unterschiedliche Aufgaben erfüllen. In einem Ersatzteilkatalog wird ein Gerät oder ein Teil des Gerätes so dargestellt, daß es einwandfrei identifiziert werden kann. In einer Reparaturanleitung geht es dagegen darum, wie mit dem Gerät umgegangen wird. Hier wird in der Regel eine Situation gezeigt, z.B. das Ein- oder Ausbauen des Teiles.

In allen Fällen geht es nicht darum, jedes kleinste konstruktive Detail des Gerätes zu zeigen. Solche Details sind nicht nur meistens überflüssig, sondern sogar störend, da sie von der Hauptsache ablenken. Um diesen Effekt noch zu unterstützen, werden die wichtigen Teile oft durch dickere Linien oder durch Übergröße hervorgehoben.

Technische Zeichnung und technische Illustration

Oft herrscht Unklarheit darüber, ob es Unterschiede gibt zwischen einer technischen Zeichnung und einer Technischen Illustration und wo eventuell diese Unterschiede liegen.

Technische Zeichnungen werden benötigt, um eine Maschine zu konstruieren und zu fertigen. Technische Illustrationen unterscheiden sich stark davon. Sie werden eingesetzt, um eine Maschine möglichst übersichtlich und einfach darzustellen, ohne jedes Detail zu zeigen.

Eine technische Zeichnung ist eine maßstäbliche Darstellung eines Gerätes oder Teils mit den Ansichten, die erforderlich sind, um dieses Teil genau zu beschreiben. Mit Ansichten sind die Darstellungen des Teils z.B. in der Vorderansicht, Draufsicht und Seitenansicht gemeint. Perspektivische Darstellungen werden hier in der Regel nicht gezeigt.

Technische Zeichnungen sind das Verständigungsmittel zwischen dem Konstruktionsbüro und der Werkstatt. Sie dienen dazu, Maschinen oder Anlagen so genau zu beschreiben, daß diese nach diesen Angaben gebaut werden können. Dabei muß jedes noch so kleine Detail exakt festgelegt sein, damit die Zeichnung eindeutig ist. Hierzu zählen Angaben über Gestalt, Maße, Oberflächengüte, Werkstoff usw., die nach festen Zeichenregeln und Normen eingetragen werden. Das Lesen einer technischen Zeichnung kann sehr aufwendig sein, da eine Fülle von Informationen interpretiert werden muß.

Technische Illustrationen sollen ein Teil so darstellen, daß es eindeutig wiedererkannt werden kann.
 
Dazu ist nicht jedes Detail erforderlich. Meist werden die Teile in perspektivischer Darstellung gezeigt, da diese Darstellung der Sichtweise des menschlichen Auges vertrauter ist. Damit ist die technische Illustration auch für Menschen verständlich, die keine spezielle Ausbildung als Technischer Zeichner absolviert haben.

 

 

 

Ansicht und Perspektiven

Eine Zeichnung oder Illustration entsteht dadurch, daß ein Werkstück so gezeichnet wird, wie man es aus einer bestimmten Richtung sieht.

Technische Zeichnungen benutzen sogenannte technische Ansichten, um ein Werkstück darzustellen. Diese stellen ein eindeutiges, vollständiges Abbild des Werkstückes dar. Technische Illustrationen verwenden perspektivische Darstellungen, die leichter zu überschauen sind. Je nach Einsatz und Art der Illustration kommen unterschiedliche Perspektiven zum Einsatz.

Zu den technischen Ansichten zählt man z.B. die Vorderansicht, Seitenansicht und die Draufsicht. Sie zeigen ohne perspektivische Wirkung die Details, die aus der jeweiligen Richtung sichtbar sind. Verdeckte Kanten werden gestrichelt dargestellt.
   

Die technische Illustration benutzt dagegen perspektivische Darstellungen. Dabei kann vereinfachend gesagt werden: Je natürlicher die Perspektive wirkt, desto aufwendiger ist es, sie in der Illustration zu benutzen.

Der Grund hierfür liegt in der perspektivischen Verkürzung. Aus eigener Erfahrung weiß jeder, daß ein Gegenstand, der weit entfernt ist, kleiner erscheint, als wenn er sich nahe vor dem Auge befindet. Man kann auch sagen, daß alle Längen entsprechend der Entfernung zum Auge verkürzt werden.

Diese Verkürzung führt zu einer Fluchtpunktperspektive. Diese Perspektive entspricht der Sehweise des menschlichen Auges oder auch einer Kamera.

Der Nachteil dieser Perspektive ist aber gerade ihre naturgetreue Darstellungsweise, denn sie bewirkt, daß Teile anders dargestellt werden müssen, wenn sich ihre Lage gegenüber dem Betrachter ändert. Für die Illustration bedeutet das, daß ein Teil neu gezeichnet werden muß, auch wenn es nur auf der Zeichenfläche verschoben wird.
 

Diesen Aufwand reduziert man dadurch, daß man eine andere Darstellungsform wählt, die zwar etwas weniger natürlich wirkt, dafür aber leichter zu erstellen ist. Gemeint sind hier parallelperspektivische Darstellungen.

Im Unterschied zu einer Fluchtpunktperspektive bleiben zwei Linien, die in der Wirklichkeit parallel sind, auch in der Illustration parallel. Dabei spielt es zunächst keine Rolle, aus welcher Richtung man das Werkstück betrachtet.

Der Erfolg besteht darin, daß ein parallelperspektivisch gezeichnetes Teil beliebig verschoben werden kann, ohne daß es neu gezeichnet werden muß.

Beispiel: Schauen Sie sich die Seite aus einem Ersatzteilkatalog an. Wenn aufgrund konstruktiver Änderungen neue Teile eingefügt werden müssen, werden zwangsläufig andere Teile verschoben, um Platz zu schaffen. In einer Fluchtpunktperspektive würde das bedeuten, daß diese Teile neu gezeichnet werden müßten. In einer Parallelperspektive können sie einfach verschoben werden.

Zu den Parallelperspektiven zählen die Trimetrie, die Dimetrie und die Isometrie. Daneben gibt es noch verschiedene schiefwinklige Projektionen, z.B. die Kavaliersperspektive, die aber selten eingesetzt werden.

Der Unterschied zwischen diesen Perspektivarten liegt darin, aus welcher Richtung das Werkstück betrachtet wird. Dabei ist die Trimetrie die allgemeinste Form. Sie läßt jede Betrachtungsrichtung zu.

Um den Unterschied zur Dimetrie bzw. Isometrie zeigen zu können, soll Ihr Augenmerk noch auf die Probleme der perspektivischen Verkürzung gelenkt werden. In der nebenstehenden Illustration wird ein Würfel mit einer Kantenlänge von 100 mm dargestellt, d.h. jede Linie, die Sie sehen, ist in natura 100 mm lang. Messen Sie auf dem Blatt nach, werden Sie allerdings feststellen, daß die einzelnen Linien unterschiedlich lang sind. Das ist das Resultat der perspektivischen Verkürzung, die abhängig ist von dem Winkel, unter dem der Würfel betrachtet wird.

Man kann die Kanten des Würfels auch als die Hauptachsen eines Koordinatensystems betrachten. Jede Achse hat ihren eigenen Verkürzungsfaktor.

Nun gibt es Spezialfälle, die das Arbeiten mit diesen Faktoren wesentlich vereinfachen. Sicherlich ist es sehr aufwendig, wenn ein Maß von 100 mm unterschiedliche Längen produziert, jenachdem, auf welcher Kante des Würfels es liegt. Wenn auf verschiedenen Achsen gleiche Verkürzungsfaktoren verwendet würden, wäre dieses Problem gelöst.

Einer dieser Spezialfälle ist die Dimetrie. Als Dimetrie bezeichnet man die Perspektiven, bei denen zwei der drei Verkürzungsfaktoren gleich sind. Es existiert eine ganze Reihe von Winkeln, für die diese Bedingung zutrifft. Um hier eine Einheitlichkeit zu erzielen, wird meist die dimetrische Projektion nach DIN 6 gewählt, bei der die Projektion der Hauptachsen in der Illustration Winkel von 7° bzw. 42° mit der Horizontalen bilden.



Es gibt allerdings auch einen Fall, in dem alle drei Verkürzungsfaktoren gleich sind: die Isometrie. Bei ihr bilden die Hauptachsen in der Illustration Winkel von 30° mit der Horizontalen.

Damit bildet die Isometrie vom Zeichnerischen her die einfachste Art des Perspektivzeichnens. Das hat dazu geführt, daß die Isometrie zur 
Standardperspektive der Technischen Dokumentation geworden ist.

Sie wird vor allem im Ersatzteilwesen verwendet. Hier kommt es vor allem auf die Wiedererkennbarkeit an und weniger auf die Natürlichkeit der Abbildungen. Auch in Reparatur- oder Bedienungsanleitungen wird sie häufig verwendet, jedoch wird hier auch auf die Zentralperspektive zurückgegriffen. Dies hängt damit zusammen, daß hier oft Fotos durchgezeichnet werden, so daß die Perspektive bereits vorgegeben ist.

Ellipsen

Eng mit dem Problem der Perspektive ist das Problem der Ellipsen verbunden. Sie sind das Kernelement der Technischen Illustration.

Jeder Kreis oder Kreisbogen wird durch perspektivische Projektion verändert. In der parallelen Projektion werden sie zu Ellipsen, bei einer Fluchtpunktperspektive zu einer eiförmigen Kurve. Eine der Hauptschwierigkeiten beim perspektivischen Zeichnen liegt darin, für eine bestimmte Lage die richtigen Ellipsen zu bestimmen.

Am einfachsten ist es, einen Zylinder zu betrachten, der Stück um Stück aus der horizontalen Lage in die Vertikale gekippt wird. Der Querschnitt des Zylinders erscheint zunächst als Kreis und wird von einer Stufe zur nächsten zu einer immer flacheren Ellipse, bis schließlich in der vertikalen Position nur noch eine Linie zu sehen ist.

Die Perspektive legt genau fest, welche Ellipse zu welcher Neigung paßt. Beim manuellen Zeichnen gibt es Gradmesser und Berechnungstabellen, die dabei helfen, den Öffnungswinkel der Ellipse zu bestimmen. Dieser Wert definiert die Lage der Ellipse im Raum.

Ein zweites Beispiel zeigt, wie ein Zylinder in der Isometrie um eine Achse rotiert wird. Auch hier ist die Veränderung der Ellipsen zu beobachten.

An dieser Stelle sollten Sie überlegen, welche Möglichkeiten Sie kennen, um mit einem Programm Ellipsen zu erzeugen. Meist gibt es nur die Möglichkeit, horizontal oder vertikal gestauchte Kreise oder Kreisbögen zu zeichnen. Eine Reihe von Grafikprogrammen bieten Funktionen an, um diese Ellipsen nachträglich zu drehen. Eine weitere Bearbeitung, z.B. das genaue Schneiden an beliebigen Punkten oder auch eine Durchmesseränderung ist dann oft nur noch mit großem Aufwand durchführbar und meist ohne die Möglichkeit, Maße einzugeben.

Dazu kommen noch grafische Anforderungen in Form von unterschiedlichen Strichstärken und verlaufenden Übergängen zwischen diesen (siehe nachfolgenden Abschnitt).

Darüber hinaus muß gesagt werden, daß gerade die Ellipsenbestimmung und die Arbeit mit Ellipsenschablonen der Grund dafür waren, daß viele Zeichner nicht mit dem manuellen Vorgang des Perspektivzeichnens zurechtkamen.

Strichstärken

Unterschiedliche Strichstärken werden in der Technischen Illustration vorwiegend aus gestalterischen Gründen eingesetzt und um die perspektivische Wirkung zu verstärken.

Die wichtigste Regel für die Verwendung verschiedener Strichstärken bezieht sich auf die richtige Verteilung von "dicken" und "dünnen" Linienbreiten für Körperkanten und Lichtkanten des gezeichneten Körpers. Eine Kante wird dann dick gezeichnet, wenn sich hinter der Linie "Luft" befindet. Lichtkanten sind demzufolge Kanten, die aus dem gezeichneten Blickwinkel keine Körperbegrenzung zur Umgebung darstellen.

Einfacher gesagt:
Wenn ich mit einem Finger hinter die Linie greifen kann, wird sie dick gezeichnet, sonst dünn.

Das Stärkenverhältnis von dicken zu dünnen Linien sollte ca. 2:1 betragen.

Einen besonderen Fall nehmen Ellipsen ein. Hierbei wird eine Hälfte als Körperkante, die andere als Lichtkante dargestellt. Es stoßen also eine dicke und eine dünne Linie aufeinander. Um einen guten optischen Eindruck zu erreichen, läßt man im Bereich des Aufeinandertreffens die dicke Linie zur dünnen hin "auslaufen".

Alle Mittellinien werden strichpunktiert mit einem Schatten unterlegt (freigestellt) dargestellt.

Die Strichstärken (Linienbreiten) der Linientypen richten sich nach der Zeichnungsgröße beim Ausdruck bzw. nach dem weiteren Verwendungszweck. Die Linien müssen so breit sein, daß sie bei der Verfilmung nicht aufbrechen; sie dürfen aber auch nicht so dick sein, daß eng nebeneinanderliegende Linien zulaufen. Dies ist besonders dann zu beachten, wenn die Verwendungsgröße gegenüber der Zeichnungsgröße stark verkleinert wird (Microverfilmung). Wird aus einer umfangreichen Zeichnung ein Ausschnitt gewählt, also ein Teilbereich stark vergrößert, müssen alle Strichstärken breiter werden.

Für bestimmte Arten der Illustration wird von den grundsätzlichen Richtlinien für die Strichstärken abgewichen:

Phantomdarstellungen

Mit diesem Begriff sind Darstellungen von Bauteilen oder Teilegruppen gemeint, die zum besseren Verständnis zusätzlich gezeigt werden. Zum Beispiel wäre dies eine Montageumgebung bei einem Ersatzteilkatalog. In diesem Fall werden alle Linien "dünn" gezeichnet. Die Phantomdarstellung ist gut zu erkennen, tritt aber gegenüber den im "normalen" Stil gezeichneten Ersatzteilen in den Hintergrund.

Hervorheben eines Teiles

Sollen Bauteile besonders hervorgehoben werden (z.B. bei Angabe von Einstellabständen zwischen zwei Teilen, oder um ein Verschleißteil zu kennzeichnen), können alle Linien mit einer dicken Linie gezeichnet werden. Die Teile springen dann sofort ins Auge.

Maßstab

Im Gegensatz zur technischen Zeichnung geht es bei der Technischen Illustration in erster Linie um Wiedererkennung und leichte Verständlichkeit auch für den nicht fachlich geschulten Benutzer.

Oft ist es nicht wichtig oder gar unmöglich, sich an einen einheitlichen Maßstab zu halten. Dies soll Ihnen das nachfolgende Beispiel verdeutlichen:

Werden in einer Illustration sehr kleine Teile gleichzeitig mit großen Teilen gezeigt, besteht die Gefahr, daß die kleinen Teile beim Druck zulaufen oder einfach nicht erkennbar sind. Aus diesem Grund wird z.B. in der obigen Illustration die Schraube wesentlich größer gezeigt, als sie tatsächlich ist. In den meisten Fällen wird der Betrachter diese Manipulation gar nicht bewußt wahrnehmen, sondern nur die inhaltliche Information aufnehmen.

Ein weiterer Grund für unmaßstäbliches oder unexaktes Zeichnen ist der Zeitfaktor. Wie bereits an mehreren Stellen erwähnt, spielt die Erstellungszeit in der Technischen Dokumentation eine wichtige Rolle. Wird nun alles sehr exakt gezeichnet, muß viel zeichnerisch konstruiert und berechnet werden, und das kostet Zeit. Meist werden nur wichtige Eckmaße benutzt, um die Proportionen des Objektes richtig darzustellen. Details wie z.B. Bohrungen werden danach oft nach Augenmaß eingesetzt.

Durchzeichnen von Vorlagen

Diese Art der Illustrationserstellung ist von der traditionellen Methode (manuelles Zeichnen) auf die elektronische Erstellung übernommen worden. Dafür gibt es verschiedene Gründe:

Vorhandene Zeichnungsbestände sollen im Computer zur Verfügung stehen. Um aber dann eine gute Ausgabequalität zu erzielen und Änderungen vornehmen zu können, reicht ein einfaches Einscannen nicht aus. Die Zeichnungen müssen mit einem vektororientierten Illustrationsprogramm nachgezeichnet werden.

Ein weiterer Grund liegt in der Technik des Nachzeichnens selbst. Hat ein Illustrator eine Vorlage, ist er nicht auf umfangreiche technische Unterlagen angewiesen. So kann zum Bespiel auch eine im Illustrieren ungeübte Person leicht angelernt werden. Bei ständigem Umgang mit dieser Technik des Durchzeichnens (besonders bei Fotovorlagen) können die Strichzeichnungen schnell erstellt werden und sind somit besonders bei großem Umfang kostenkünstig. Auch die Vergabe dieser Aufgabe an Dienstleistungsbüros bietet sich an.

Der vielleicht wichtigste Grund, warum heute besonders in der Automobilindustrie Fotos durchgezeichnet werden, ist die leichte Wiedererkennbarkeit einer realen Situation für den Benutzer mit niedrigem Abstraktionsniveau bei gleichzeitiger Abbildung nur des Wesentlichen. Der Autobesitzer erkennt an seinem PKW genau die auf der Illustration seiner Bedienungsanleitung abgebildete Situation wieder.

Eine Besonderheit beim Durchzeichnen von Fotos ergibt sich aus der Vorlage selbst. Jedes Foto ist aus einem anderen Blickwinkel aufgenommen, hat also eine andere Perspektive. Die Darstellung in Isometrie ist nicht gegeben. Dies ist besonders für das wichtigste Element, die Ellipse, bedeutsam, denn es werden ständig andere Öffnungswinkel benutzt.

Beim manuellen Illustrieren werden von geübten Illustratoren sehr kurze Erstellungszeiten erreicht. Wichtig ist daher, daß bei einer elektronischen Erstellung zumindest die gleiche Geschwindigkeit erreicht werden kann.

Die traditionelle Methode

Welche Werkzeuge werden beim manuellen Zeichnen benutzt?

  • Transparentpapier
  • Bleistift, Tuschestift
  • Ellipsenschablone, Lineal
  • Radiergummi, Skalpell
  • Durchlichttisch
  • Kopierer mit Vergrößerung/Verkleinerung
  • Reprokamera
  • Papier, Fotopapier
  • fertige Textblätter und Klebstoff

Bei einer umfangreichen Illustration bzw. bei Explosionsdarstellungen über mehrere Blätter wird zuerst ein grobes Scribble für die Seitenaufteilung entworfen. Danach wird eine Bleistiftzeichnung auf Transparentpapier erstellt. Erfahrene Illustratoren können sich dabei auf die wichtigsten Umrisse und Linien beschränken. Nach der Kontrolle wird die Zeichnung mit den verschieden dicken Tuschestiften reingezeichnet. Unter Umständen wird ein neues Transparentblatt auf die Bleistiftzeichnung gelegt und durchgezeichnet. Zum besseren Erkennen der Vorlage wird oft ein Durchlichttisch als Zeichenplatte verwendet.

Ein Foto wird zum Durchzeichnen ebenfalls unter das Transparentblatt gelegt.

Zum Schluß werden mit Schriftschablonen der Text oder die Positionsnummern eingetragen. Bei Korrekturen während des Zeichnens wird die Tusche mit einem Skalpell vorsichtig abgetragen.

Änderungen, besonders mehrmalige auf einem Blatt, sind zeitaufwendig und haben ihre Grenzen in der Dicke des Transparentpapiers. Um Löcher im Papier zu vermeiden, werden teilweise ganze Bereiche eines Blattes ausgeschnitten und ein neugezeichneter Teil einmontiert.

Sollen Zeichnungen wiederverwendet werden, wird entweder eine vorhandene Zeichnung direkt auf Transparentpapier kopiert und dazugezeichnet, oder es wird eine evtl. skalierte Papierkopie zum Durchzeichnen unter das Transparentblatt gelegt.

Ist die Zeichnung fertig, wird über eine Reprokamera ein Papierabzug erstellt, auf Maß geschnitten und in den Grafikrahmen der Dokumentationsseite einmontiert (geklebt).

Soweit der Werdegang vom ersten Strich bis zur fertigen Illustration in einer Anleitung bei der traditionellen Zeichenmethode. Der Zeitaufwand (zweimal zeichnen und montieren) und die zusätzlichen Kosten fallen natürlich schon bei einer neuerstellten Illustration ins Gewicht. Der große Vorteil bei der elektronischen Erstellung liegt in der Weiterverwendung und im Änderungsdienst. Unter Einbeziehung von Bibliotheken (Normteile, oft wiederverwendete Bauteile) und einer Datenbank läßt sich dieser Vorteil weiter ausbauen.

Auf einen wichtigen Unterschied bei den beiden Methoden soll noch einmal hingewiesen werden:

Beim manuellen Zeichnen ist der Illustrator auf sich und seine Fähigkeiten gestellt. Die Hilfsmittel sind sehr begrenzt und erfordern zum Beispiel bei den Ellipsenschablonen ein hohes Vorstellungsvermögen, welcher Öffnungswinkel der richtige ist (siehe Durchzeichnen von Fotovorlagen).

Da es in den meisten Ländern kein Berufsbild für den Technischen Illustrator gibt (nur an privaten Ausbildungsstätten), hat schon immer ein Mangel an ausgebildeten Illustratoren geherrscht. In England gibt es spezialisierte Colleges für Technische Illustratoren. Das ist auch der Grund dafür, daß in dieser Branche immer wieder Engländer angetroffen werden können.

2D - 3D Darstellung

Für die Erstellung von Illustrationen in der Technischen Dokumentation ist eine 2D-Darstellung vollkommen ausreichend. Ist einmal eine Ansicht oder ein Blickwinkel gezeichnet, sind die Informationen der dahinterliegenden Bereiche nicht mehr erforderlich. Natürlich bietet eine 3D-Datei die Möglichkeit, das Teil für einen anderen Einsatzzweck in einen anderen Blickwinkel zu drehen.

Demgegenüber steht jedoch der Aufwand und die Anforderung, Technische Dokumentationen aktuell, also schnell, zur Verfügung zu haben. Die Erstellung einer 3D-Zeichnung bedeutet ein Vielfaches an Zeitaufwand (besonders auch für Änderungen) und für den Illustrator eine zusätzliche mathematisch ausgerichte Schulung. Darüberhinaus lassen sich mit einem CAD-Programm die Anforderungen an die Illustration nur schwer oder gar nicht erfüllen (Stichworte: Strichstärken, unmaßstäbliche Darstellung, grafische Attribute, Datenformate). Der größere Bedarf an Speicherplatz für 3D-Daten sei hier nur am Rande erwähnt.

Die Wunschvorstellungen

Jeder, der zum ersten Mal seine gewohnte Arbeit mit einem Computer und mit Programmen ausführen soll, wird zuerst versuchen, seine übliche Arbeitsweise anzuwenden. So natürlich auch der Illustrator.

Ist er erst einmal mit den Möglichkeiten der elektronischen Erstellung vertraut, steigen die Wünsche nach noch mehr Einfachheit, Schnelligkeit und automatischen Funktionen enorm. Dies gilt besonders für die wenig kreativen Arbeitsschritte.

Auf der anderen Seite steht der verantwortliche Leiter der Abteilung TD. Er will Kosten und Zeit sparen und rationalisieren.

Ein wichtiges Thema ist in diesem Zusammenhang die Verwendung von schon vorhandenen Daten, besonders denen aus CAD-Programmen.

Am Besten wird ein Knopf gedrückt, die CAD-Daten fließen automatisiert in die Dokumentation ein, nehmen die dort üblichen grafischen Stilelemente an und machen keinen Ärger. Natürlich werden grafische Änderungen automatisch in allen in Frage kommenden Dokumentationen aktualisiert, aber nur in denen, in denen man das will.



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