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Zwischen Tusche und CAD - Von Gabi Kahl
Einfach ausgedrückt sind Technische Illustratoren das Bindeglied zwischen Konstrukteur und Anwender. Ein Illustrator ist in der Lage, technische Sachverhalte zielgruppenorientiert zu visualisieren und für die unterschiedlichsten Medien vorzubereiten. Wie er das macht, wo seine weiteren Einsatzgebiete liegen, welche Werkzeuge er verwendet und was Sie von ihm erwarten können, stellen wir Ihnen auf den nächsten Seiten dar.
Unsere Nachbarn, die Briten und Franzosen, sowie die USA wissen die Arbeit eines Technischen Illustrators schon seit langem zu schätzen. Dort gibt es teilweise seit ca. 20 Jahren entsprechende Studiengänge und Berufsausbildungen. Bei uns hat sich der Illustrator leider noch nicht so weit durchgesetzt, abgesehen von privaten Ausbildungsmöglichkeiten.
So vielfältig wie das Einsatzgebiet, so unterschiedlich sind die Vorbildungen. Grundvoraussetzung ist eine Erstausbildung in einem technischen oder grafischen Bereich. Illustratoren können demnach z. B. ausgebildete Technische Zeichner, Grafikdesigner oder Maschinenbauer sein.
EinsatzgebieteÜberall da, wo technische Sachverhalte für andere Zielgruppen aufbereitet werden sollen, beginnt die Arbeit von Technischen Illustratoren. Sie kommen in den unterschiedlichsten Bereichen zum Einsatz, z. B. in Dokumentationsabteilungen, Ingenieurbüros, Werbeagenturen, bei Softwareherstellern, Berufsgenossenschaften oder Dienstleistern. Illustratoren setzen normalerweise da an, wo z. B. die Konstruktion aufhört.
Fähigkeiten und Arbeitsmittel
Ein Illustrator ist in der Lage, eigenverantwortlich Projekte vom ersten bis zum letzten Schritt durchzuführen. Dabei geht es nicht nur um die klassische Papier-Dokumentation (bis hin zur Druckvorbereitung), auch Web-Grafiken, Online- und Multimediaproduktionen können von ihm abgewickelt werden.
Doch ein Illustrator ist nicht nur ein "Einzelkämpfer", Teamfähigkeit wird bei ihm ebenso groß geschrieben. Die enge Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen erleichtert nicht nur die Arbeit, sondern ist meist unbedingt erforderlich - schließlich muss das Rad nicht immer neu erfunden werden. Bereits vorhandene Daten können ein sehr nützliches Ausgangsmaterial sein. Hierzu ist es notwendig sich mit der Datenkonvertierung auszukennen.
Ein Illustrator ist geübt im Umgang mit den verschiedensten Illustrations-, DTP- oder auch 3D-Programmen. Ihm ist bekannt, wie Daten entsprechend dem Zielmedium konvertiert und aufbereitet werden müssen. Neben vorhandenen Daten gibt es natürlich noch vieles mehr, was als Grundlage dienen kann.
Die gängigsten Materialien sind:
- Technische Zeichnungen
- Fotos
- Produktmuster
- frühere oder ähnliche Produktinformationen.
Eine besondere Aufgabe des Illustrators ist die zielgruppenorientierte Erstellung von Zeichnungen. Dies bedeutet, dass er Zeichnungen verständlich gestaltet und dabei Informationsinhalte gezielt übermittelt, ggf. reduziert, verdeutlicht oder auch vereinfacht.
Bei der Erstellung von verständlichen Zeichnungen hat ein Illustrator die Möglichkeit verschiedene Techniken, Perspektiven oder Stilmittel einzusetzen wie
- 2D-Zeichnungen (Höhe + Breite, z. B. Technische Zeichnung)
- 2 1/2D-Zeichnungen (Höhe + Breite + simulierte Tiefe, z. B. Freehand-Zeichnung)
- 3D-Konstruktionen (frei drehbare Volumenmodelle)
- Parallelperspektiven wie Isometrie, Dimetrie und Trimetrie
- Fluchtpunktperspektiven
- Strichumsetzungen
- Graustufen
- Farben
- Strichstärken
- Überzeichnungen
- Hervorhebungen
- Lupendarstellungen.
Um die Arbeit eines Technischen Illustrators etwas besser zu vermitteln, finden Sie nachfolgend sechs Interviews mit Technischen Illustratoren. Gefragt wurde nach Hauptaufgabengebiet, Auftraggeber, Illustrationsarten und Ausgabemedien.
Seminarunterlagen
Dagmar Benecke, Norddeutsche Metall-Berufsgenossenschaft, Abteilung Ausbildung. Mein Hauptaufgabengebiet ist das Erstellen von Seminarunterlagen für die Weiterbildung im Rahmen der Arbeitssicherheit. Zielgruppe sind die Versicherten der Norddeutschen Metall-Berufsgenossenschaft. Meine Auftraggeber sind die Dozenten der Seminare und technische Aufsichtspersonen. In Absprache mit ihnen werden Unterlagen nach didaktischen Gesichtspunkten erarbeitet. Die Illustrationen reichen von 2D- bis 3D-Darstellungen, bis hin zu Funktionsdarstellungen, Strukturdiagrammen und Piktogrammen. Die Ausgabe geht von A4 Papier und Folie bis zu Präsentationen für den Bildschirm. Andere Ausgabemedien sind auch CD und Plakat.
Ebenso arbeite ich im Bereich der Druckvorstufe eng mit Druckereien zusammen. Hierzu ist das Wissen über Farben, Farbmanagement und Druckverfahren von besonderer Bedeutung, genauso wie die Übernahme von Dateien. Das Konvertieren von Dateien darf hier in seiner Bedeutung nicht unterschätzt werden. Bei diesen Daten handelt es sich um Zeichendateien und um Textdateien, die in die Unterlagen mit eingebaut werden müssen. Diese Arbeit setzt grundsätzlich selbstständiges Handeln voraus.
Perspektivische Zeichnungen
Dirk Schmitz, tecteam GmbH, technische Dokumentation Das Hauptaufgabengebiet ist das Erstellen von perspektivischen Zeichnungen für Montage-, Gebrauchs- und Betriebs- sowie Kurzanleitungen, je nach Umfang auch das Erstellen von kompletten textarmen Anleitungen. Meine Kunden kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen, angefangen bei Herstellern von Druckerkartuschen über Sanitäranlagenbauer bis hin zu Maschinenbauern.
Der Aufwand umfasst das Erstellen einzelner Grafiken, beinhaltet aber auch die komplette Erstellung von Anleitungen bis hin zum Druck. Die Zeichnungen werden als 2D-Zeichnungen und als 3D-Volumenmodelle erstellt. Einsatzgebiet hierfür ist u. a. auch die Multimedia-Animation. In meinem Beruf bin ich darauf angewiesen mit den unterschiedlichsten Abteilungen zusammenzuarbeiten, was Flexibilität voraussetzt. Es gibt immer wieder neue und interessante Eindrücke und Aufgabenbereiche. So bleibt mein Beruf immer interessant und abwechslungsreich.
Illustration und Metadaten
Christian Schmähl, Customer Services Manager, ITEDO Software GmbH Im Softwarehaus ITEDO kümmere ich mich um den Informationsfluss zum Kunden in den Bereichen, Support, Training und allgemeine Informationen.
Das Berufsbild des Technischen Illustrators hat sich in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. Während es vor dieser Zeit genügte, Tuschezeichnungen von Hand zu erzeugen, liegt der Fokus nun auf optimaler Prozessintegration. Ich meine damit u. a. die Weiterverwendung von CAD-Daten zu Technischen Illustrationen. Heute bekommt der Illustrator 3D-CAD-Daten, die er weiterbearbeitet oder mitbenutzt, um seine Arbeit effizienter erledigen zu können.
Ein weiterführender Bereich ist die Kombination der Illustrationen mit Metadaten: Elemente bekommen in diesem Teil des Prozesses Objektinformationen, um sofort in elektronischen Medien weitergenutzt werden zu können. Der Illustrator bewegt sich heute also im Umfeld von CAD, Datenbanken und Standards, um die Beständigkeit seiner Arbeit zu sichern. Viele unserer Kunden setzen auf die Standards CGM, SGML und XML.
Gerade bei der Verwendung der bestehenden Daten des Unternehmens ist es wichtig, Dateiformate zu wählen, die diese Daten als Untermenge einbeziehen. Das Format CGM in der Version 4 leistet dies, indem es Vektordaten, Rasterdaten und die bereits beschriebenen Objektinformationen in einem herstellerunabhängigen Format vereint.
Multimedia
Guido Leuck, Geschäftsführer der macroscope GmbH, Multimedia-Agentur Mein Hauptaufgabenfeld ist die komplette Abwicklung von Multimedia-Produktionen, beginnend bei der Projekt-Akquise, der konzeptionellen und inhaltlichen Beratung der Kunden, der nachfolgenden Kalkulation und Angebotserstellung über die Drehbuchanfertigung bis zur Produktion der festgesetzten Inhalte. Bedingt durch meine Ausbildung zum Technischen Illustrator konzentriere ich mich bei der produktiven Arbeit auf die Erstellung von grafischen Elementen, wie z. B. Illustrationen, 2D- und 3D-Animationen, Zeichentrick und Screen-Design.
Generell gesehen liegt meine Verantwortung aber im Projekt-Management, d. h. die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt mit den Arbeiten zu beauftragen, die für den reibungslosen und (finanziell) erfolgreichen Projektablauf notwendig sind. Meine Kunden kommen aus den unterschiedlichsten Branchen, z. B. Automobilbau, Druckmaschinenhersteller, Dienstleister, Sanitärbetriebe, und auch aus Bereichen, die mit dem Thema Technik nichts zu tun haben, wie z. B. der deutsche Bundestag.
Die Ausgabemedien sind ebenfalls vielfältig. Nach wie vor werden CD-ROM-Produktionen beauftragt, aber auch zeitgemäße Internet-Lösungen (Flash, Datenbank-Anbindungen, Online-Shopping-Systeme), 3D-Szenen, die sowohl als Animation als auch in Poster-Form gedruckt auf Messen eingesetzt werden, u.v.m. Es wird immer versucht, zielgruppengerecht und zweckgebunden zu illustrieren und die Illustrationsart dementsprechend zu wählen. Aufwendige und sehr realistische 3D-Darstellungen z. B. dann, wenn es darum geht, auch die werbliche Wirkung der Abbildungen zu unterstreichen.

Abb. 1: Realitätsnahe 3D-Darstellung als werbewirksames Mittel
Es lassen sich so zwar auch Funktionsabläufe zeigen, meist ist aber die auf das Wesentliche reduzierte und bei Bedarf abstrahierte 2D-Zeichnung/-Animation besser geeignet. Comics oder Zeichentrickanimationen können aufwendige Video-Produktionen ersetzen, wenn z. B. Zukunfts-Visionen präsentiert werden sollen. Ihr Einsatz kann auch sinnvoll sein, wenn der Betrachter sich mit der gezeigten Figur identifizieren soll, was bei einer realen Person schwerer gelingt. Ein weiterer Vorteil der Karikatur liegt in der Möglichkeit der Übertreibung und Überzeichnung, um auf die Kernaussage mitunter humoristisch hinzuweisen.

Abb. 2: Mit Comic-Figuren kann sich der Betrachter besser identifizieren.
Zusätzlich werden konventionelle Grafiken erstellt, z. B. Vektorzeichnungen in Farbe und S/W, z. T. foto-realistisch, die beispielsweise ohne Qualitätsverluste in Flash-Anwendungen skaliert und animiert werden können.
Daten und Konvertierung
Bettina Just, freiberufliche Illustratorin Mein Hauptaufgabengebiet ist das Erstellen von Zeichnungen für Gebrauchsanleitungen, Titelseiten- sowie Broschürengestaltung. Einen nicht zu unterschätzenden Teil stellt dabei u. a. die Datenkonvertierung dar. Auftraggeber sind alle vom Freiberufler bis hin zu großen Konzernen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie aus dem technisch/naturwissenschaftlichen Bereich kommen, bzw. etwas für diesen Bereich visualisieren möchten.
Am häufigsten fertige ich 2D-Strichzeichnungen an, aber auch die Erstellung von Farbgrafiken sowie Fotocollagen für Werbebroschüren und Webseiten nimmt einen großen Raum bei meiner Arbeit ein.

Abb. 3: Ausschnitt aus einer Airbrushpistole
Die Ausgabemedien sind breit gestreut. Die Spanne reicht von der Weitergabe der digitalen Daten bis hin zur Abgabe des fertigen Druckproduktes. Dies erfordert sehr viel Kommunikation mit Druckereien und den Kunden.
Vor allem ist hier auch viel Wissen im allgemeinen Umgang mit den Daten über das reine Erstellen der Zeichnung hinaus von Vorteil.
Erweitertes Aufgabenspektrum
Heinz Rebmann, Putzmeister AG Der Tätigkeitsbereich eines Technischen Illustrators wird in unserem Unternehmen immer vielfältiger. Neben den klassischen Aufgaben, wie die Erstellung von Illustrationen für Betriebsanleitungen und Ersatzteildokumentation, kommen immer mehr planerische und koordinierende Aufgaben hinzu. Die fundierten Kenntnisse und Erfahrungen, die wir während unserer Ausbildung und während unserer Arbeit als Technische Illustratoren gewonnen haben, werden immer mehr auch von anderen Unternehmensbereichen außerhalb der reinen "technischen Dokumentation" entdeckt.
Das Konzipieren sowie das Erstellen von Präsentationen für die Geschäftsführung gehören inzwischen ebenso zu unseren Aufgaben wie auch die digitale Bildbearbeitung, der Aufbau und die Verwaltung von Bilddatenbanken bis hin zur Durchführung von internen und externen Seminaren zum Thema "Visuelle Gestaltung". Weiterhin sind wir immer häufiger Anlaufstelle für Probleme mit Datenkonvertierungen aller Art. Uns fällt auf, dass die Erfahrung und das Spezialwissen im Bereich digitaler Bilderstellung, Bildbearbeitung und deren Konvertierung immer wichtiger wird. Da in unserem Unternehmen inzwischen fast jeder mit digitalen Medien umgeht, kommt es verständlicherweise immer häufiger zu Problemen, die spezielles Wissen erfordern.
In der Illustration erstellen wir aus Gründen der Wiederverwendbarkeit nach Möglichkeit isometrische Grafiken. Ansonsten erarbeiten wir Strichumsetzungen, schematisch orientierte Grafiken, Pictogramme, Symbole und Schilder. Der Einsatz von Farbe oder auch Graustufen findet in der tD-Illustration kaum Anwendung, da wir unsere gesamte Papierdokumentation "inhouse" auf S/W-Hochgeschwindigkeits-Druckern produzieren. Dafür können wir uns als Illustratoren in puncto Farbe bei der Erstellung von Geschäftsgrafiken und Präsentationen voll austoben und dabei unserer Kreativität freien Lauf lassen. Bei der Komplexität unserer Maschinen spielt der Einsatz echter 3D-Animationen momentan nur eine marginale Rolle.
Unsere Hauptprodukte sind Baumaschinen und mitsamt der Dokumentation hartem Einsatz ausgesetzt. Deshalb liefern wir unsere maschinenspezifischen Dokumentationen sowohl in klassischer Form auf Papier als auch als digitales Medium auf CD-ROM. Hierfür haben wir eine spezielle, modular aufgebaute "Dokubox" entwickelt, die der Zielgruppe und dem harten Baustellenalltag gerecht wird. Diese Box enthält neben der Papierdokumentation auch eine CD-ROM mit einer maschinenspezifischen Ersatzteildokumentation inkl. Suchhilfen und Bestellservice.
Fazit
Wie Sie lesen konnten, ist das Arbeitsfeld eines Technischen Illustrators sehr umfangreich: Seine Arbeitsergebnisse werden nicht nur gedruckt, sie unterstützen auch die Darstellung auf CD-ROM oder im Internet - als Gebrauchsanleitung, Präsentation oder Werbematerial. Ebenso vielfältig sind auch die Instrumente, auf die der Illustrator zurückgreift, von der klassischen Tusche bis zum hochmodernen CAD-System.
Quelle: technische kommunikation Heft 6/2001
Wir bedanken uns bei Frau Kahl, dem Verlag Schmidt-Römhild und dem tekom e.V. für ihre Unterstützung und die Zustimmung zum Abdruck dieses Artikels.
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